Die Hüttenbühlgeister

Als die Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft (HKG) - nach einer Abstinenz während den Kriegsjahren - 1951 wieder ins Leben gerufen wurde, machte man sich auch Gedanken über ein Kostüm. Schließlich war es in der Umgebung üblich, Hästrägergruppen zu haben. Da wollten die Herbolzheimer, trotz Karnevalsgesellschaft, keine Ausnahme machen.

Karl und Margarete Kirner machten sich an einen Entwurf. Das erste Kostüm, getragen von Ruth Kossmann, wurde 1953 der Bevölkerung vorgestellt. Es war in den Herbolzheimer Stadtfarben grün und weiß gehalten und sollte einen Geist - den Geist vom Hüttenbühl - darstellen.

H√ºttenb√ºhlgeister der HKGDie ursprünglichen Häs bestanden aus weißen Hosen, weißem Oberteil und einer weißen Kopfbedeckung aus Everglees-Stoff. An den Abschlüssen waren grüne Zacken angebracht, wobei an jedem Zackenende ein Glöckchen angenäht war. Das alte Stadtwappen gehörte ebenso zum Kostüm wie der Stock mit grünen und weißen Bändern.

Ein Hüttenbühlkostüm konnte sich jeder nähen, das war nicht mit einer Mitgliedschaft in der Karnevalsgesellschaft verbunden. So bereicherten in den kommenden Jahren viele Hüttenbühlgeister die Fastnachtsumzüge in Herbolzheim.

Schon bald war der Everglees-Stoff nicht mehr erhältlich. Für einige Zeit wurde statt dessen, Stoff mit Waffelmuster für die Geisterkostüme verwendet. Dieser war allerdings sehr dünn. Man ging mehr und mehr dazu über, gewöhnlichen weißen Baumwollstoff für die Anfertigung des Häses zu nehmen.

Allerdings litt damit auch das Bild der Hüttenbühlgeister, denn oft waren die Kostüme schon nach kurzer Zeit verknittert. Mit den 1966 ins Leben gerufenen Jockele mit ihren bunten Kostümen, dem Glockengehänge und den kunstvoll geschnitzten Masken konnte der Geist nicht mehr mithalten. Das Kostüm der Hüttenbühlgeister nahm an Attraktivität ab.

1975, zum 25-jährigen Jubiläum der HKG, etablierten sich die Hüttenbühlgeister als feste Gruppe im Verein. So wurde das Kostüm auch in der Umgebung bekannt. Aber dadurch geschah es auch, dass man oft wegen der Einfachheit des Kostöms gehänselt wurde.

Das wollten sich die Mitglieder dieser Abteilung der HKG nicht bieten lassen. Man wollte auch der Bevölkerung gefallen und nicht immer im Schatten der Jockele stehen. Aber die Geister boten wirklich ein seltsames Bild: fast jeder hatte einen anderen Schnitt und anderen Stoff. Und bei großer Kälte sahen die Geister aus wie kleine Tännchen, denn man musste sich dick unter den Kostümen einpacken um nicht zu frieren.

Also machte man sich innerhalb der Abteilung daran, ein attraktiveres Häs zu gestalten. Schnell war man sich einig, das es aus einer Jacke und Hose aus dickerem Stoff bestehen sollte. Diese sollten mit grünen und weißen Filzspätle versehen werden. Am ursprünglichen Schnitt wollte man nichts ändern. Es war nur noch die Anordnung der grünen und weißen Spättle zu klären. Aber auch hier einigte man sich bald auf die Reihenfolge.

An der Prunk- und Narrensitzung 1988 wurde ein Prototyp des neuen Hüttenbühlhäses erstmals der Bevölkerung vorgestellt. Die damals noch vorhanden weiße "Skibrille" um die Augen herum, wurde aber bald ein Opfer der Schere. Nach einer gewissen "Umgewöhnungsphase" fand das neue Kostüm bald das Gefallen der Leute. Und auch die Mitglieder der Abteilung Hüttenbühlgeister waren wieder froh; endlich brauchte man sich nicht wieder zu schämen und auch nicht mehr zu frieren.

Das ursprüngliche Hüttenbühlkostüm ist aber noch nicht ausgestorben, wenn es auch leider nur noch wenige sind, die es tragen. Da die neuen Kostüme nicht mehr selbst anzufertigen und auch vom Material her um einiges teurer als die alten sind, tragen die Jungmitglieder der Hüttenbühlgeister die ursprüngliche Version, bis sie "ausgewachsen genug" sind, ein Spättlehäs zu bekommen. Und am Fastnachtssonntag beim traditionellen Umzug der HKG tauchen doch ab und zu einige auf, um den Umzug im alten Kostöm zu bereichern.


Internetseite der Hüttenbühlgeister: www.huettenbuehlgeister.de